• Bianca

Fressen, Sex & Sicherheit

Aktualisiert: März 24



Wer seinen Hund verstehen möchte, muss wissen, was für ihn wichtig ist 🦴


Ein millionenjahre altes Programm, tief im Säugetiergehirn verankert, sorgt dafür, dass Hunde (und übrigens auch Menschen) danach streben, die eigene Art überleben zu lassen. Das hat oberste Priorität für alles Leben.


Um das zu gewährleisten, müssen Nachkommen produziert werden. Um Nachkommen produzieren zu können, muss der eigene Körper fit sein. Und damit der eigene Körper fit bleibt, müssen regelmäßig Ressourcen beschafft und alle möglichen Gefahren abgewehrt werden. Darum geht’s. Immer. 


Daher lassen sich alle von Hunden gezeigte Verhaltensweisen drei großen Funktionsbereichen zuordnen.


  • Fortpflanzung

  • Ressourcenbeschaffung/-sicherung

  • Gefahrenabwehr


Sofern der Hund nicht bei einem Züchter groß wird, wird ihm sein eigentliches, großes Ziel (Nachkommen zu produzieren) verwehrt bleiben. Das ist für Rüden wie auch für Hündinnen äußerst frustrierend, sobald ein geeigneter Partner in der Nähe auftaucht und kann zu unterschiedlich starkem Hintergrundstress führen.


Bei den Ressourcen sieht es da schon etwas anders aus. Fressen zu beschaffen und Vorräte zu sichern gehört zum "täglich Brot" unserer Vierbeiner. Fressen ist eines DER Grundbedürfnisse und sollte niemals an Bedingungen geknüpft sein. Trainingsformen wie NILIF (Nothing in Life is free) sind daher bedenklich, da sie für permanenten Hintergrundstress sorgen. Denn, wenn Fressen nicht zuverlässig regelmäßig zur Verfügung steht, wird es zu einer wertvollen Ressource für den Hund um die er ständig bangen muss und schwubbeldiewupps haben wir ein handfestes Ressourcenproblem. Also, den Wuffie bitte immer regelmäßig füttern.


Gerade bei der Gefahrenabwehr zeigt sich ganz deutlich, dass Hunde ständig eine ausgeklügelte Kosten-Nutzen-Analyse im Hintergrund laufen haben. Flucht ist sehr viel "billiger" als ein möglicher Kampf, dessen Ausgang ungewiss ist. Das Heilen von Verletzungen kostet sehr viel Energie. Energie, die man anderweitig vielleicht sinnvoller einsetzen kann. Jetzt werden aber die meisten unserer Hunde durch eine Leine von der Strategie "Flucht" abgehalten. Das führt auch wieder zum sogenanntem Hintergrundstress.

Der Hund wird dadurch gezwungen auf andere Strategien zurück zu greifen:

  • Die eher harmlose aber für andere Hunde z.T. extrem nervige Strategie des "Fiddle about" (rumkaspern),

  • die Strategie "Einfrieren" oder

  • die Strategie "Kampf" (Stichwort: Leinenrüpel).


"Einfrieren" ist ein bisschen wie Russisch Roulette - wer zuerst zuckt, hat verloren. Spätestens wenn man das bei seinem Hund beobachtet, sollte man die Situation irgendwie auflösen.


Jedes Verhalten hat also eine Funktion!


Verhaltensweisen, die Erfolg versprechen, werden häufiger gezeigt, Verhaltensweisen, die Misserfolg oder gar einen Schaden ankündigen werden seltener gezeigt.


Um sich für eine Verhaltensweise zu entscheiden, müssen im jeweiligen Bereich erst die folgenden Fragen geklärt werden:

  • Fortpflanzung: ich kann mich damit paaren - ich kann mich damit nicht paaren

  • Ressourcenbeschaffung/-sicherung: ich kann es fressen - ich kann es nicht fressen

  • Gefahrenabwehr: es droht dabei keine Gefahr - es droht dabei Gefahr


Das gewaltfreie Training berücksichtigt das Bedürfnis des Hundes erfolgreiche Verhaltensweisen häufiger zu zeigen. Ich überlege mir also einfach, welches Verhalten mir überhaupt gefällt und mit welchem Erfolg ich es dann verstärken kann 🤓


Welche Erfolge können wir nutzen?

Nun, eine erfolgreiche Fortpflanzung als Verstärkung geht schlecht, aber, ich gehe nur einen Funktionsbereich weiter, zur Ressourcenbeschaffung und werde fündig: Denn ein Leckerchen als Belohnung geht immer! Und was den Bereich der Gefahrenabwehr angeht: Wir sind uns, denke ich, alle einig, dass unsere Hunde nie Angst vor uns haben sollten.


❗️Daher verzichten wir auf jede Art von Schmerz- und Schreckreizen❗️


Allein schon dadurch ist die Arbeit mit uns im Bereich der Gefahrenabwehr von Erfolg gekrönt, weil wir keine Bedrohung für unsere Hunde darstellen und wir sie für das Training auch nicht in bedrohliche Situationen bringen.


So bauen wir mit unserem Hund, Stück für Stück, ein umfangreiches Repertoire an Verhaltensweisen und Bewältigungsstrategien auf. Mit Spaß auf beiden Seiten 😊


Einfach nur durch den Einsatz von Belohnungen und dem Verschaffen von Sicherheit ❤️


Bei Fragen bitte einfach melden oder in die Kommentare schreiben.

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