• Bianca

Fressen, Sex & Sicherheit

Aktualisiert: Sept 13



Wer seinen Hund verstehen möchte, muss wissen, was für ihn wichtig ist 🦴


Ein millionenjahre altes Programm, tief im Säugetiergehirn verankert, sorgt dafür, dass Hunde (und übrigens auch Menschen) danach streben, die eigene Art überleben zu lassen. Das hat oberste Priorität für alles Leben.


Um das zu gewährleisten, müssen Nachkommen produziert werden. Um Nachkommen produzieren zu können, muss der eigene Körper fit sein. Und damit der eigene Körper fit bleibt, müssen regelmäßig Ressourcen beschafft und alle möglichen Gefahren abgewehrt werden. Darum geht’s. Immer. 


Alle von Hunden gezeigte Verhaltensweisen lassen sich drei großen Funktionsbereichen zuordnen:

  • Fortpflanzung

  • Ressourcenbeschaffung/-sicherung

  • Gefahrenabwehr


Sofern der Hund nicht bei einem Züchter groß wird, wird ihm sein eigentliches, großes Ziel (Nachkommen zu produzieren) verwehrt bleiben. Das ist für Rüden wie auch für Hündinnen äußerst frustrierend, sobald ein geeigneter Partner in der Nähe auftaucht und kann zu unterschiedlich starkem Hintergrundstress führen.

Bei den Ressourcen sieht es da schon etwas anders aus. Fressen zu beschaffen und Vorräte zu sichern gehört zum "täglich Brot" unserer Vierbeiner. Fressen ist eines DER Grundbedürfnisse und sollte niemals an Bedingungen geknüpft sein. Trainingsformen wie NILIF (Nothing in Life is free) sind daher bedenklich, da sie für permanenten Hintergrundstress sorgen. Denn, wenn Fressen nicht zuverlässig regelmäßig zur Verfügung steht, wird es zu einer wertvollen Ressource für den Hund um die er ständig bangen muss und schwubbeldiewupps haben wir ein handfestes Ressourcenproblem. Also, den Wuffie bitte immer regelmäßig füttern.


Gerade bei der Gefahrenabwehr zeigt sich ganz deutlich, dass Hunde ständig eine ausgeklügelte Kosten-Nutzen-Analyse im Hintergrund laufen haben. Flucht ist sehr viel "billiger" als ein möglicher Kampf, dessen Ausgang ungewiss ist. Das Heilen von Verletzungen kostet sehr viel Energie. Energie, die man anderweitig dringender benötigt. Daher wird jeder Hund versuchen, eine Gefahr unter allen Umständen, so verletzungsfrei wie nur möglich abzuwehren. Das Problem ist nur, dass die meisten unserer Hunde durch eine Leine von dieser besten Strategie, "Flucht (Flight)", abgehalten werden.

Auf Grund dieser Bewegungseinschränkung durch die Leine wird unser Fellkind gezwungen auf andere Strategien (es gibt insgesamt 4 dieser Bewältigungsstrategien in Bezug auf Bedrohungen) zurück zu greifen:

  • Die eher harmlose aber für andere Hunde z.T. extrem nervige Strategie des "Rumkasperns (Fiddle about)" - fälschlicherweise oft als "Der freut sich aber sehr" gedeutet,

  • die Strategie "Einfrieren (Freeze)" oder als letzte Variante dann halt doch

  • die Strategie "Kampf (Fight)" (Stichwort: Leinenrüpel).


Zusammenfassend kann man also sagen:


JEDES VERHALTEN HAT EINE FUNKTION!



Und was hilft dieses Wissen für's Training?

Nun, Verhaltensweisen, die Erfolg versprechen, werden häufiger gezeigt, Verhaltensweisen, die Misserfolg oder gar einen Schaden ankündigen werden seltener gezeigt.


Heißt, verspricht ein Verhalten Erfolg, dann zeigt der Hund dieses Verhalten auch häufiger. Möchte ich also, dass mein Hund den Besuch nicht anspringt, sondern stattdessen mit allen 4 Pfoten am Boden bleibt, muss ich eigentlich nur dafür sorgen, dass sich das "Mit-allen-4-Pfoten-am-Boden-bleiben" für meinen Hund lohnt, ihm also einen Erfolg beschert 🤓


Welche Erfolge können wir als Belohnung nutzen?

Schauen wir uns dazu kurz nochmal an, wie ein Hund Erfolg & Misserfolg/Schaden definiert:

  • Fortpflanzung: ich kann mich damit paaren - ich kann mich damit nicht paaren

  • Ressourcenbeschaffung/-sicherung: ich kann es fressen - ich kann es nicht fressen

  • Gefahrenabwehr: es droht keine Gefahr - es droht Gefahr

Nun, eine erfolgreiche Fortpflanzung als Verstärkung geht schlecht 🤭 Aber, gehe ich nur einen Funktionsbereich weiter, zur Ressourcenbeschaffung werde ich fündig: Denn ein Leckerchen 🍪 als Belohnung geht z.B. immer! Und was den Bereich der Gefahrenabwehr angeht: Unsere Hunde sollten sich in unserem Umfeld immer sicher fühlen können. Wir müssen Schutzwall und Berater sein, wenn sie mit einer Situation nicht klar kommen.


❗️Daher verzichten wir auf jede Art von Schmerz- und Schreckreizen❗️


Wir bringen unsere Hunde für das Training auch nicht in für sie bedrohliche Situationen (Hundetrainingsplätze z.B. sind nur für Halter toll. Für die meisten Hunde sind solche Plätze ein Alptraum). Das Vermitteln von Sicherheit und Fernhalten von Bedrohungen ist elementar für ein erfolgreiches Training.


In diesem bedürfnisorientierten (Belohnung mit Ressourcen) und sicheren (Abschirmen vor Gefahren) Umfeld bauen wir mit unserem Hund, Stück für Stück und mit viel Spaß ein umfangreiches, sehr stabiles Repertoire an Verhaltensweisen und Bewältigungsstrategien auf 😊


Und das alles ganz einfach nur dadurch, dass wir die wahre Natur unseres Fellkindes berücksichtigen ❤️


Bei Fragen bitte einfach melden oder in die Kommentare schreiben.

Kurze Ergänzung noch zum "Einfrieren": Das ist ein bisschen wie Russisch Roulette - wer zuerst zuckt, hat verloren. Spätestens wenn man das bei seinem Hund (oder dem anderen beteiligtem Hund) beobachtet, sollte man die Situation irgendwie, ruhig & freundlich, auflösen/verlassen. Sowas endet selten gut...

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