Mein Name ist Bianca Krüger und ich bin 1973 geboren. Ich lebe mit meinem Mann, meiner Tochter und unserer Leonberger Hündin Ilvy, in Rehau.

 

2001 zog das erste vierbeinige Mädchen bei uns ein. Drei Weitere folgten im Laufe der Jahre. Das Training folgte der Rudelführertheorie und war demzufolge von Rangreduktionsmaßnahmen geprägt. Ich war der Chef und wer das in Frage stellte, bekam prompt "Pfeffer". Gefallen hat es mir nicht immer. Ich liebte meine Hunde ja. Und sie zu strafen, war für mich immer wie der Besuch beim Zahnarzt. Nicht schön, aber es musste halt sein. Anders würden sie es ja nicht verstehen, hieß es auf dem Hundeplatz, im Fernsehen und von allen anderen Hundehaltern. So viele können sich ja nicht irren. Oder doch?

 

Da war einfach nur immer wieder dieses dumpfe Gefühl von Unrecht, welches im Laufe der Zeit immer drückender und drückender wurde. Irgendwann begann ich dann zu recherchieren. Anfang 2016 stolperte ich zum ersten Mal über einen Artikel zur gewaltfreien Erziehung auf Basis positiver Verstärkung. Erziehung ohne Strafe???? Das geht? Sie können sich gar nicht vorstellen, wie groß meine Skepsis war. Aber, ich stand Neuem schon immer offen gegenüber und der Gedanke gefiel mir. Eine Chance wollte ich dieser Philosophie doch geben. Damit war mein Schicksal besiegelt. Was ich nach und nach lernte und am eigenen Leib erfahren durfte (oder vielmehr meine Ilvy, die knapp ein Jahr später mit mir durch ganz Deutschland von einem Workshop zum Anderen fuhr) stellte meine Hunde-Welt auf den Kopf. Wissenschaftlich fundierte Methoden, aus der aktuellsten Verhaltensforschung. Trainingsmethoden, die bei Delphinen, Affen, Elefanten, Papageien, Hühnern (YouTube-Video zum Hühnerklickern), ja selbst Kugelfischen und anderen Tieren zum Einsatz kamen und von Verhaltensbiologen auf der ganzen Welt angewandt werden, durfte ich erlernen.

 

Die Welt der Hunde war keine Scheibe mehr, sie wurde plötzlich rund.

 

Meine Hunde (ich spreche immer noch in der Mehrzahl von Ihnen, obwohl uns Elsa Mitte Juli 2018 verlassen hat) haben davon in kürzester Zeit mehr als profitiert. Nicht nur, dass die Verhaltensprobleme immer weniger wurden (natürlich gibt es immer noch Baustellen, aber jetzt macht uns die Arbeit daran richtig Spaß) auch hat sich unsere Beziehung grundlegend verändert. Wo vorher Gehorsam aus Angst und/oder Meideverhalten heraus war (oder gar kein Gehorsam), ist jetzt freudiges Arbeiten und offene Kommunikation. Mein Hund darf "Nein" sagen. Das gegenseitige Vertrauen ist greifbar geworden. Es ist einfach nur schön.

 

Die ständigen Fort- und Weiterbildungen runden das Bild ab. Es ist mir sehr wichtig immer die neuesten Erkenntnisse in das Training einfließen zu lassen.



Die Leute fragen, wann sie aufhören können mit Belohnungen zu arbeiten. 

Wie kommt es, dass niemals jemand fragt, wann sie aufhören können an ihren Hunden herum zu rucken?

 

Nicole Wilde, Übersetzung: Suse Freiberg