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Umweltbelohnungen - So wird das Hobby unseres Hundes zum Verstärker

Aktualisiert: Feb 10

Vielleicht kennen Sie das: Man ist gechillt mit seinem Hund unterwegs, macht ein paar Spiele/Übungen mit ihm und stellt dann mit Erschrecken fest: Ich hab' nicht genug Leckerchen dabei 😱

Als Anhänger der positiven Verstärkung kommt man da unter Umständen schnell in eine Bredouille, will man gutes, erwünschtes Verhalten doch gerne durch Belohnungen festigen.


Wie gut, dass es nicht immer nur das Leckerchen sein muss. Es gibt so viele Varianten, einen Hund für gutes Verhalten zu belohnen. Das kann ein verbales Lob sein, wenn der Hund die Stimme von Frauchen/Herrchen mit einem guten Gefühl verbindet. Auch das Kraulen an einer bestimmten Körperstelle, wenn der Hund das unglaublich toll findet, ist eine Belohnung. Was aber auf jeden Fall immer als Belohnung geht, sind die sogenannten Umweltbelohnungen.


Alles, was ein Hund auf dem Spaziergang von alleine zeigt und was ihm ganz offensichtlich Spaß macht, zählt als "Hobby". Das kann auch das Fressen von Pferdeäpfeln sein. Da einfach mal kurz die „Ich-will-das-aber-nicht!“-Brille abnehmen. Es geht nur darum, festzustellen, was der Hund von sich aus sehr gerne macht. Als da wären z.B. auch noch: Löcher buddeln, rennen, im Teich schwimmen, sich am Rücken liegend über die Wiese schubbern, auf Ästen kauen, jagen, stöbern, sich strecken, in der Luft nach Wild wittern, usw.


Hat man ein paar Hobbys gesammelt, geht es darum, die Aktivitäten rauszusuchen, mit denen man selber auch gut leben kann (sich in frischem Odel wälzen ist vielleicht nicht so gern gesehen, aber „Buddeln“ wäre vielleicht etwas). Haben wir festgelegt, welche Hobbys für uns in Ordnung sind und welche wir fest etablieren wollen, kann’s mit dem Training losgehen.


Bleiben wir doch einfach mal beim Beispiel mit dem Buddeln. Nachdem es eine der Lieblingsbeschäftigungen unseres Hundes ist, wird er es auch irgendwann wieder zeigen. Wenn es soweit ist, stehen wir parat und beginnen mit dem Training. Dafür brauchen wir evtl. nochmal Leckerchen, aber nur, bis das Buddeln mit dem Signal verknüpft ist.


Der Hund fängt also an zu buddeln. Wir sagen jetzt einfach, während der Hund buddelt, das Signalwort für diese Umweltbelohnung. Hier würde sich „Buddel!“ anbieten. Dann warten wir kurz. Buddelt der Hund nach 0,5 – 2 Sekunden (Lidschlag) immer noch, markern wir das Buddeln mit unserem Markerwort, z.B. „TACK“ (siehe Blogbeitrag "Das Markersignal"). Schaut er uns nach dem Markerwort an, bekommt er sein Leckerchen direkt. Buddelt er weiter, ohne uns anzugucken, bekommt er das Leckerchen ins Buddelloch geschmissen, oder es folgt einfach nur ein verbales Lob als Belohnung, falls das geworfene Leckerchen die Buddelaktion unterbrechen würde. Das Markerwort darf das Buddeln unterbrechen, die Belohnung nicht. Da einfach gucken, was für den eigenen Hund besser passt.


Es geht in der nächsten Zeit nur darum, das Verhalten (Buddeln) mit dem Signalwort („Buddel“) zu verknüpfen. ABER ACHTUNG: Schaut uns der Hund bereits nach dem Signalwort „Buddel“ an, passiert gar nichts. Er muss nach dem Signal noch 0,5 – 2 Sekunden weiter buddeln. Ansonsten bekommen wir ein Signalwort für „Guck-mich-an“ und das ist nicht das, was wir wollen. Wenn so etwas passiert, bitte den Hund auch nicht anschauen. Einfach so tun, als hätte man ihn nicht gemeint und man guckt eigentlich nur in der Landschaft umher. Einfach kurz drauf noch einmal versuchen. Er wird sehr schnell begreifen, dass es nicht um’s angucken geht.

Buddelt der Hund nach dieser ersten Übung immer noch weiter, kann man diese Übungs-Abfolge auch noch ein paarmal auf die oben beschriebene Art wiederholen. Solange der Wuffie eben buddelt: „Buddel“ –> kurz Luftholen/Blinzeln (0,5-2 Sekunden Pause) –> Markerwort –> Belohnung (Leckerchen oder Lob),  „Buddel“ –> kurz Luftholen/Blinzeln (0,5-2 Sekunden Pause) –> Markerwort –> Belohnung (Leckerchen oder Lob).


Nach einigen Tagen geht man einen Schritt weiter. Wenn man zur Buddelstelle kommt und merkt, dass unser Hund gleich wieder das Buddeln anfängt, sagen wir einen Hauch bevor er damit anfängt das Signalwort „Buddel“. Und wenn er dann gleich darauf damit anfängt, markern wir das Verhalten und belohnen ihn. Die Kunst ist es, mit dem Signalwort „Buddel“ wirklich genau den Moment zu erwischen, in dem der Hund zum Buddeln ansetzt, es aber noch nicht tut. So schieben wir das Signalwort vor das Verhalten und bekommen damit eine unter Signal gestellte Umweltbelohnung.


Hat der Hund die Umweltbelohnung mit dem Signal verknüpft, muss es erst einmal nicht mehr gemarkert & belohnt werden. Es ist zu einer eigenen Belohnung geworden.


Man kann aber, um die Funktionalität des Signals zu erhalten, alle paar Wochen mal, den obigen Ablauf wiederholen. So, wie man hin und wieder seine Schuhe putzt, sollte man auch seine Signale immer mal wieder aufpolieren 😉❗️


Auf diese Weise kann man alle möglichen Verhaltensweisen zur Belohnung ausbauen, die ein Hund von selber immer wieder sehr ausgiebig auf dem Spaziergang zeigt und mit denen man selber auch etwas anfangen kann. Das futterlose Repertoire an Belohnungen lässt sich so wunderbar erweitern.


Die Übung "Handtouch" kann dann z.B. irgendwann einmal so klingen:

"Touch!" - "TACK" - "Buddel!" 😁


Viel Freude beim Aufbau der Umweltbelohnungen. Falls Fragen auftauchen, bitte melden.


Kurzer Hinweis zum Hobby "Buddeln":

Bitte verwenden Sie diese Aktivität nur auf Flächen, wo es niemanden stört. Am Besten, man schiebt das Loch mit dem Fuß wieder zu, wenn der Hund fertig ist. Einfach um zu verhindern, dass sich andere Tiere, die eventuell in das Loch treten könnten, verletzten. So ein Pferdebein ist schnell gestaucht oder sogar gebrochen. Gerade, wenn das Buddeln unter Signal gestellt wurde, kann man sehr gut steuern, wo der Hund seine Löcher gräbt. Vielen Dank für Ihr Verständnis.