• Bianca

Das Markersignal

Aktualisiert: Sept 13

Warum ein Markersignal?

Hinter jedem Signal (z.B. "Sitz") steht ein Verhalten (in unserem Beispiel: Po auf den Boden). Damit Signale stabil und zuverlässig funktionieren, muss der Hund erst einmal das Verhalten mit dem Signal, welches dazu gehört, eindeutig verknüpfen. Und jetzt wird's etwas schwierig. Damit ein Hund ein Signal mit einem Verhalten verknüpfen kann, muss die Verknüpfung im besten Fall innerhalb von 450 Millisekunden erfolgen. Je weiter man diese Zeit überschreitet, desto labiler ist die Verknüpfung und nach 2 Sekunden findet schon gar keine Verknüpfung mehr statt. 450 Millisekunden, max. 2 Sekunden sind also das Ziel. Das ist verdammt wenig Zeit.


Verknüpfen heißt übrigens nichts anderes, als dass sich das Verhalten innerhalb dieser 450 Millisekunden für den Hund lohnen muss. Ich müsste also innerhalb von 450 Millisekunden ein Leckerchen aus dem Beutel zaubern und es meinem Hund geben. Nicht schaffbar. Schon gar nicht, wenn der Hund nicht direkt bei mir ist. Und ein normales Lob wie z.B. „Ja, super.“ als Belohnung dauert 2-4 Sekunden. Das ist zu lang für eine präzise Verstärkung. Es ist egal, welche Art von Belohnung ich mir da auch immer angucke, sie wird kaum rechtzeitig dort sein, um eine saubere Verknüpfung zu erzeugen.


Karen Pryor, arbeitete in den 60-ern als junge Meeresbiologin in einem großen amerikanischen Meeresbecken mit riesigen Meeressäugern. Um mit ihnen effektiv arbeiten zu können, setzte sie ein Brückensignal ein, welches eine Belohnung innerhalb der erforderlichen 450 Millisekunden zumindest versprach. Und siehe da, dieses Versprechen war genauso wirksam, wie die Belohnung selbst. Verhalten konnte so sehr schnell und sehr stabil mit einem Signal verknüpft werden, auch wenn die Belohnung etwas später eintraf.


In der Verhaltensforschung ist dieses Brückensignal heute nicht mehr wegzudenken und dank Karen Pryor hat es seinen Weg auch in das "normale" Trainingsleben geschafft. Als Markersignal.


Was ist ein Markersignal?

Ein Markersignal ist ein Brückensignal, welches immer eine Belohnung verspricht. Damit können wir erwünschtes Verhalten innerhalb der erforderlichen 0,5-2 Sekunden punktgenau einfangen und verstärken (in unserem Beispiel: Markerwort in dem Moment, in dem der Po den Boden berührt). Denn nur Verhalten, das verstärkt wird, wird wiederkehrend gezeigt und wir möchten ja, dass erwünschtes Verhalten so zuverlässig wie möglich auf ein Signal hin gezeigt wird.


Mit dem Markersignal machen wir es unserem Hund auch leichter, zu verstehen, welches Verhalten gut ist/zum Erfolg führt/uns gefällt. Wir geben ihm die Chance einer gemeinsamen Kommunikation.


Geht es nicht auch ohne?

Diese Frage ist ganz klar mit einem JA zu beantworten. ABER: Ohne Markerwort ist die Verstärkung des erwünschten Verhaltens Glückssache und somit ziemlich ungenau. Der Hund braucht um ein Vielfaches länger, bis er versteht, was wir eigentlich ganz genau von ihm wollen. Man macht es sich selber und seinem Hund einfach nur unnötig schwer, verzichtet man auf dieses Werkzeug.


Warum ein Wort, warum kein Klicker?

Ein Wort geht schneller über die Lippen und man muss auch nicht daran denken es mitzunehmen. Darüber hinaus ist es punktgenau. Einen Klicker kann man schon mal vergessen, oder er ist in der Außentasche und bis man ihn rausgekramt hat, ist die Situation schon vorüber. Es gibt auch einige wenige Hunde, die sich vor dem metallischen Klick fürchten, was gerade bei der Angsttherapie kontraproduktiv sein kann. Und außerdem haben wir beim Klicker eine gewisse Ungenauigkeit. Ein Klicker klickt nämlich 2x. Beim Runterdrücken und beim Loslassen. Damit wird unter Umständen, das falsche Verhalten verstärkt.


Beispiel Handtouch: Der Hund stupst die Hand an und es wird geklickt. Die Hundenase ist gerade wieder weg von der Hand, da klickt es das zweite Mal. Was wurde jetzt verstärkt? Der Hund wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach die letzte Aktion, bzw. beide Aktionen merken. Wir haben also ungewollt, das falsche Verhalten (Nase weg von der Hand, bzw. Hin&weg als Verhaltenskette) verstärkt.


Für die Umsetzung brauchen wir:

  • Belohnungen. Am Anfang arbeiten wir mit Leckerchen in verschiedenen Wertigkeiten. Vom normalen Trockenfutter, über Heidelbeeren bis hin zur Geflügelfleischwurst oder Goudawürfel (etwas, wofür der Hund töten würde). Er sollte immer gespannt sein, was er gleich für eine Leckerei bekommt. Und nicht vergessen:


„Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“ 😅


  • Ein Markerwort. Das Markerwort ist ein einsilbiges, umlautfreies, kurzes, knackiges, exklusives (nur für diesen Zweck benutztes) Wort. Gerne genommen werden z.B.: „Click“, „Tack“, „Yes“, „Yep“, „Top“. Nicht geeignet sind: „Gut“, „Super“, „Toll“, u.ä. Sie werden zum Einen ungewollt oft in die Länge gezogen und verlieren damit das Punktgenaue und zum Anderen sind es Worte, die einem im Alltag auch mal einfach so über die Lippen kommen können, was ihnen die Exklusivität nimmt. Wenn man dann z.B. heimkommt und sagt: "Mann, auf Arbeit war's heut' aber wieder mal toll.", muss man seinem Hund sofort ein Leckerchen geben, weil das Markerwort "Toll" gefallen ist. Solche Fallen also besser vermeiden.


  • Perfektes Timing. Das ist etwas, das man üben muss. Das hat noch nie bei jemandem von Anfang an wirklich gut geklappt, daher bitte nicht gleich aufgeben. Man muss genau den Moment erwischen, den man verstärken möchte. Wie bereits erwähnt, wäre das z.B. beim Signal „Sitz“ der Moment, wenn der Po den Boden berührt. Auch sieht man bei den meisten Hundehaltern am Anfang, dass die Hand zum Leckerchenbeutel geht noch bevor das Markerwort gesagt wurde. Damit wird die Hand zum Versprechen auf Belohnung und das Markerwort verliert an Bedeutung. Es kann unter Umständen sogar dazu führen, dass der Hund nur noch die Hand anstarrt. Er verfällt in eine permanente Erwartungshaltung. Das wollen wir auf gar keinen Fall haben. Daher bitte darauf achten, dass der folgende Ablauf unbedingt eingehalten wird:

-> Hund zeigt erwünschtes Verhalten (z.B. beim Handtouch: Nase berührt Hand) -> „Markerwort“ (innerhalb von 0,5 – 2 Sekunden nach dem Touch) -> 1x Blinzeln oder Luft holen -> dann erst geht die Hand zum Leckerchenbeutel -> Hund bekommt Belohnung


Jetzt kann es eigentlich losgehen. Das Markerwort wird zu Beginn „aufgeladen“ (siehe Film anbei). Dazu sagt man einfach das Markerwort und steckt dem Fellkind ein Leckerchen ins Mäulchen.

Ungefähr 10 x wiederholen. Das genügt. Das Markerwort ist einsatzbereit 😊


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