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4. TEIL: DER DOPPELTE RÜCKRUF

"WARM", "WARM", "WÄRMER", "HEIß!"

 

Kennen Sie es noch? Das Spiel mit dem Kochlöffel und dem Topf? Den Sehsinn durch ein Tuch lahmgelegt, wurde man nur durch diese Hinweise in die richtige Richtung gelenkt und am Ende, wenn man den Topf mit dem Kochlöffel erwischte, bekam man die Superbelohnung unter dem Topf.

 

So ähnlich funktioniert der doppelte Rückruf, nur mit dem Unterschied, das beim Hund nicht der Sehsinn lahmgelegt wurde, sondern seine Aufmerksamkeit zu uns durch Ablenkung bedroht ist, er also auch verbale Hinweise braucht um auf Kurs zu bleiben. Der doppelte Rückruf besteht daher aus:

  1. dem Umorientierungssignal und
  2. dem Ankersignal

Das Umorientierungssignal ist der 1. Baustein des doppelten Rückrufs. Den haben wir uns ja schon angesehen. Sollte er noch nicht richtig funktionieren, gehen Sie bitte erst noch einmal zurück zum 2. Teil der Trainingsreise.

 

Das Ankersignal (manchmal auch als intermediäre Brücke bezeichnet) ist der 2. Baustein des doppelten Rückrufes und den schauen wir uns in diesem Artikel genau an. Am Ende setzen wir das Umorientierungssignal und das Ankersignal zusammen und et voilà: Der doppelte Rückruf ist fertig.

 

Warum ein Ankersignal?

Das Ankersignal ist wie die Schnur einer Angel, mit der Sie Ihren Hund verbal zu sich ziehen können. Denken Sie an den 1. Teil der Trainingsreise. Dort haben wir gelernt, dass Hunde ihre Welt anders wahrnehmen als wir. Ablenkungen müssen oft erst einmal als potentielle Bedrohung, bzw. potentielle Spaßbringer ausgeschlossen werden, bevor man sich wieder auf Frauchen oder Herrchen konzentrieren kann. Durch das Umorientierungssignal holen wir sie zwar erst einmal aus ihrer Welt heraus aber nur mit dem Ankersignal stellen wir sicher, dass sie auf dem Weg zu uns auch in unserer Welt bleiben und sich unterwegs nicht von Pferdeäpfeln, Vögeln, rascheln im Gebüsch oder Anderem ablenken lassen. Mit dem Ankersignal kann man störende Ablenkungen weitestgehend ausblenden, was sehr wichtig für einen bombensicheren Rückruf ist.

 

Für das Ankersignal brauchen wir

  • einen 100% positiven Aufbau. Ihr Hund muss gerne zu Ihnen zurück kommen wollen. Nur dann wird es wirklich ein bombensicherer Rückruf. Denn wer kommt schon gerne zurück, wenn er eventuell mit etwas Unangenehmen rechnen muss. Das heißt, beim Training zum Rückruf gibt es keine negativen Erfahrungen, die von Ihnen ausgehen. Bei Ihnen ist immer alles "Banane" :-)

  • eine Wort- oder Silbenfolge, wie z.B. "schnell-schnell-schnell-...", "zack-zack-zack-zack-....", "ticki-ticki-ticki-ticki....", "go-go-go-go-go..." oder sonst irgendeine Kombination, die Ihnen gut von den Lippen geht und Ihnen auch die Möglichkeit zum Atmen lässt. Ich selbst benutze "komma-komma-komma-komma....". Man fängt langsam an und wird parallel mit der Beschleunigung des Hundes schneller. 
  • eine unbedrohliche Körperhaltung. Körpersprache ist für unsere Hunde extrem wichtig. Eine frontale Ausrichtung wirkt nun einmal bedrohlich auf sie, gutes Verhältnis zu Ihnen hin oder her. Deswegen stellen Sie sich etwas seitlich zu ihrem Hund während er auf Sie zugerannt kommt oder gehen Sie bei besonders sensiblen Hunden in die Hocke. 
  • Belohnungen. Wie immer sollte die Belohnung am Anfang sehr hochwertig sein. Da es sich beim Rückruf um ein sehr energiegeladenes Ereignis handelt, können wir hier auch Spiele als Belohnung einsetzen, die mit viel Erregung verknüpft sind, wie z.B. ein wildes Zergel-spiel (nur am Ende das "ent-"erregen nicht vergessen)
  • eine hohe Geschwindigkeit. Achten Sie immer darauf, dass das Ankersignal mit hoher Geschwindigkeit verknüpft wird, denn das wird die Geschwindigkeit sein, die Sie im Ernstfall bekommen. Wenn Sie die Wort- bzw. Silbenfolge dem Laufrythmus Ihres Hundes anpassen (er startet ja langsam und steigert erst dann seine Geschwindigkeit), können Sie ihn darüber später sogar beschleunigen.

 

Es gibt zwei Wege, das Ankersignal, aufzubauen. Sie können auch beide Nutzen. Sie müssen sich nicht auf eine Variante festlegen:

  • Beim spontanen Zurückkommen Ihres Hundes
    Ihr Hund kommt aus irgendeinem Grund von ganz alleine in hoher Geschwindigkeit auf Sie zu gerast. Sobald Sie das bemerken, rufen Sie ihm das Ankersignal entgegen, bis er bei Ihnen angekommen ist. Belohnen nicht vergessen. Leckerchen, Spielchen, Umweltbelohnung, Kraulen oder was auch immer Ihrem Hund gerade sehr gut gefällt. 

  • Gezielter Aufbau des Ankersignals in Verbindung mit dem Umorientierungssignal
    Damit Ihr Hund auf Sie zurennen kann, muss er ja erst einmal weg von Ihnen. Drehen Sie sich mit dem Rücken zu Ihrem Hund und kullern Sie ein Leckerchen mit Schwung den Weg entlang, so dass Ihr Hund das Leckerchen mit den Augen verfolgen kann. Er wird natürlich an Ihnen vorbei, hinter dem Leckerchen flitzen und es packen und fressen. Wenn er fertig ist, sagen Sie Ihr Umorientierungssignal und markern Sie es, wenn er sich zu Ihnen orientiert und kullern Sie ein weiteres Leckerchen wieder in die andere Richtung weg vom Hund. Er wird wieder an Ihnen vorbei flitzen, um das Leckerchen zu fangen und zu fressen. Jetzt sind Sie beide aufgewärmt und wir bringen das Ankersignal mit ins Spiel. Ihr Hund frisst also das Leckerchen, Sie sagen wieder Ihr Umorientierungssignal (Jetzt die Umorientierung nicht markern. Das Ankersignal ersetzt das Markerwort) und er wird in freudiger Erwartung zu Ihnen flitzen, um sich seine Belohnung abzuholen. Beginnen Sie sofort, wenn Ihr Hund sich in Bewegung setzt, das Ankersignal zu geben, bis er auf Ihrer Höhe ist. Als Belohnung bekommt er das Leckerchen nicht ins Maul, sondern darf wieder hinterher hetzen. Machen Sie das ruhig ein paar Mal auf jedem Spaziergang. Erst zwei Würfe zum Aufwärmen ohne Ankersignal und ab dem dritten bis ca. achten Wurf das Ankersignal mit geben. (YouTube-Video von Martina Schoppe zum Aufbau des Ankersignals)

Klappt das super gut, steigern Sie die Schwierigkeit in dem Sie Ihren Hund "aus dem Kalten heraus" ansprechen. Warten Sie, bis er mal weiter weg ist und z.B. irgendwo dran rumschnufert. Sagen Sie ohne Vorwarnung das Umorientierungssignal. In der Sekunde, in der sich Ihr Hund zu Ihnen orientiert, beginnen Sie mit dem Ankersignal (Das Ankersignal ersetzt wieder das Markerwort für die Umorientierung). Dicke fette Belohnung bitte, wenn's geklappt hat. Wenn nicht, dann gehen Sie zurück zum letzten Schritt, der noch super geklappt hat und bleiben sie dort noch etwas. Achten Sie auch auf eine angemessene nicht zu schnelle Steigerung der Schwierigkeit und auf eine bedürfnisgerechte Belohnung. "Der Empfänger bestimmt, was Belohnung ist. Nicht der Sender." Und mit dieser letzten Weisheit möchte ich Sie in Ihr Training entlassen.

 

Bei Fragen bitte wieder gleich melden. Und wenn's klappt, dann erzählen Sie auch davon. Ich freue mich immer über Rückmeldungen.

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