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2. TEIL: "KUCKUCK. JA WO ISSER DENN?"

"KUCKUCK. JA WO ISSER DENN?"

 

Im 1. Teil der Trainingsreise haben wir uns mit der freiwilligen Aufmerksamkeit beschäftigt. Wie ist es Ihnen damit ergangen? Haben Sie schon eine Veränderung bemerkt? Geht die Aufmerksamkeit Ihres Hundes jetzt schon öfter zu Ihnen als noch vor 1 Woche? Wenn nicht, dann bleiben Sie erst einmal noch beim 1. Teil.

 

Prüfen Sie auch nochmal Ihre Vorgehensweise. Markern Sie wirklich jede Aufmerksamkeit während der kurzen Trainingseinheit? Markern Sie auch im richtigen Moment (nicht später als 0,5 - 2 Sekunden nach dem Auftauchen des Verhaltens)? Sind genug hochwertige Belohnungen dabei (ehrlich sein!)?

 

Lassen Sie sich doch dabei mal mit dem Handy filmen und schauen Sie sich das Video auch mal in SlowMotion an, oder bitten Sie einen Bekannten oder Ehepartner mal mitzugehen und ein Auge mit drauf zu werfen. Selber ist man oft "betriebsblind" was den eigenen Hund angeht.

 

Um ganz sicher zu gehen, ob Sie einfach nur nicht gut im Schätzen sind, hier noch ein paar Tips zum Zählen der Aufmerksamkeiten Ihres Hundes. Jedesmal wenn Ihr Hund Ihnen Aufmerksamkeit schenkt und sei es nur der Ohrenansatz, der sich in Ihre Richtung dreht,

  • machen Sie einen Strich auf einem kleinen Block oder
  • laden Sie sich eine ZählApp auf's Handy oder
  • stecken Sie sich Leckerchen in die rechte Hosentaschen und jedesmal, wenn Ihr Hund die Aufmerksamkeit auf Sie lenkt, nehmen Sie ein Leckerchen und stecken Sie es sich in die linke Hosentasche (können auch Knöpfe oder Murmeln sein).

Am Ende des Spazierganges zählen Sie einfach die Striche oder die Leckerchen in der linken Hosentasche oder schauen auf der App, wie oft Sie die Aufmerksamkeit hatten. So sehen Sie nach ein paar Tagen ganz analytisch, ob sich was tut oder nicht.

 

So. Jetzt aber zum 2. Teil der Trainingsreise. Dem Umorientierungssignal, kurz UOS genannt.

 

Ihr Hund hat, dank der Vorarbeit, die Sie bereits geleistet haben, inzwischen eine Grundidee davon, dass die Arbeit mit Ihnen durchaus lukrativ für ihn sein kann. Das machen wir uns jetzt zu Nutze.

 

Überlegen Sie sich ein UOS-Signal. Die meisten von Ihnen werden jetzt sicherlich denken: "Na, da nehm' ich doch einfach den Namen meines Hundes." Ich sage mal so, wenn der Name Ihres Hundes immer nur zu 100% in einem positiven Kontext fällt, dann können Sie das tun, aber ehrlich? Ich kenne niemanden, der seinen Hund nicht irgendwann schon mal  mit seinem Namen angeraunzt hätte. Mich eingeschlossen. Ich denke, es ist jedem von uns schon mal passiert, dass wir den Namen auch schon mal scharf ausgebrochen haben. Daher tun Sie sich und Ihrem Hund den Gefallen und wählen Sie ein neues Signal. Meine Ilvy hört diesbezüglich z.B. auf ihren Zweitnamen "Drops". Wortkombinationen gehen auch, wie z.B. "Guck mal", "Schau mal", oder ähnliches.

 

1. Schritt:

Sie gehen mit Ihrem Hund wieder an einen ruhigen, ablenkungsarmen Ort. Er ist mit seiner Aufmerksamkeit bei Ihnen, denn er ahnt schon, das gleich etwas passiert. Legen Sie nun ein Leckerchen vor ihm auf den Boden, das bringt seinen Kopf automatisch nach unten. Kurz bevor er mit dem Fressen des Leckerchens fertig ist und den Kopf hebt (ja ich weiß, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, bedarf etwas Übung aber Sie schaffen das!), sagen Sie  ihr UOS-Signal. Wenn der Hund dann den Kopf hebt, wird sofort gemarkert. Mit dem Markern gar nicht warten, bis der Vorgang des Kopf Hebens abgeschlossen ist, sondern wirklich gleich bei den ersten Millimetern reinmarkern.

 

Wir verstärken damit erst einmal das Kopf heben auf Signal. der Hund muss Ihnen nicht in die Augen sehen, es reicht, wenn er seinen Kopf in Ihre Richtung hebt. Machen Sie zwei Tage lang mal über den Tag verteilt zwei bis drei Übungseinheiten mit je 8-10 Wiederholungen . Das werden Sie eventuell auch brauchen, um Ihr Timing beim Markern zu verfeinern. Mir ging es am Anfang so, dass ich mich öfter verschätzt habe, wann meine Hündin den Kopf hebt. Ilvy hat sich mit dem Knuspern des Leckerchens vom Boden mehr Zeit gelassen, als ich dachte, so dass zwischen "Drops" und Kopf heben mehr als 0,5-2 Sekunden lagen. Damit konnte sie das Signal nicht korrekt mit der Aktion verknüpfen. Es hat mich einige Versuche und Beobachtungen Ihres Kauverhaltens gekostet, das Timing zu verfeinern. Klappt es dann bei 10 Versuchen mindestens 8 Mal prompt hintereinander, können wir zum nächsten Schritt gehen. Nehmen Sie sich wirklich die Zeit, diese mindestens 80%-ige Trefferquote zu erreichen. Besser wären natürlich 90% oder gar 100%. Je solider wir in diesem Stadium arbeiten, um so stabiler werden die Signale, die darauf aufbauen. Es gilt: langsamer ist schneller :-)

 

2. Schritt

Sie warten bis Ihr Hund sich in Ihrer Nähe mit irgendetwas beschäftigt und nicht auf Sie achtet. Die Umgebung sollte nach wie vor ablenkungsarm sein. Wir erschweren immer nur einen Parameter. Dann sprechen Sie Ihren Hund mit dem UOS an. Hebt er sofort den Kopf in Ihre Richtung -> Sofort markern und JACKPOT bitte. Das ist genau das, was wir brauchen. Und je hochwertiger wir das gleich am Anfang belohnen um so schneller wird das Signal stabil. Deshalb ziehen Sie bei der Belohnung alle Register und wenn es ein Stück vom Sonntagsbraten ist. Je hochwertiger desto besser.

Reagiert Ihr Hund noch nicht sofort, dann hat er das Signal noch nicht mit der Aktion 'Kopf heben' verknüpft, oder die Verknüpfung war zu schwach (das passiert bei ungenauem Timing oder bei unpassender Belohnung). Gehen Sie zurück zu Schritt 1 und überprüfen Sie Ihre Vorgehensweise nochmal ganz genau. 

 

Sie merken schon, so langsam kommen wir an's Eingemachte. Wichtig ist, dass Sie immer erst dann zum nächsten Schritt gehen, wenn Sie den vorhergehenden mit Erfolg gemeistert haben. Dann bekommen Sie wirklich zuverlässige Signale.

 

Ich wünsche Ihnen noch viel Freude bei der Umsetzung der Trainingsanleitung. Lassen Sie mich wissen, wie es Ihnen ergangen ist. Ich bin so gespannt auf Ihre Berichte.

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Kommentare: 1
  • #1

    Sabine (Sonntag, 13 Januar 2019 16:12)

    Super geschrieben �funktioniert bestens�Lg