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1. TEIL: "KREIZDUNNERWETTER! KOMMST DU ETZ HER!!!!"

 

„KREIZDUNNERWETTER. KOMMST DU ETZ HER!!!!!“

Hand hoch. Wer stand so schon mal am Wegesrand und hat verzweifelt versucht, seinen Hund dazu zu bewegen doch bittschön endlich herzukommen? 

 

Die Erklärung für diesen Ungehorsam folgt meist sogleich hinterher: „Er ist bockig“, „Er ist stur“, „Er möchte seine Grenzen testen“, „Er sieht in mir keinen Rudelführer“, usw.

 

Ich darf Sie beruhigen. Nichts davon trifft zu. Ein Hund kann gar nicht bockig, stur, aufsässig, oder was auch immer sein. Er testet auch nicht seine Grenzen und das Konzept eines Rudelführers ist ihm sogar völlig fremd, daher kann er Sie auch nicht ‚nicht als Rudelführer‘ anerkennen. So etwas gibt es in seinem Vokabular nämlich gar nicht. Das ist ein Mythos. Aber dazu mehr in einem anderen Blog.

 

Hunde leben in Ihrer eigenen Welt. Sie nehmen Farben anders war, sehen schlechter als wir, hören dafür mehr, riechen um ein tausendfaches besser, haben einfach eine völlig andere Wahrnehmung dessen, was um sie herum passiert. Wir werden nie zu 100% sagen können, mit was sich ein Hund gerade auseinandersetzt und welche Überlebensprogramme sein Gehirn ihm gerade „befiehlt“ umzusetzen. Dagegen zu arbeiten würde bedeuten, gegen eine Millionen Jahre alte Natur zu arbeiten. Das kann nur schief gehen.

 

Warum uns also „Mutter Natur“ nicht zu Nutze machen? Überlegen wir uns doch mal kurz, was am Anfang eines jeden Verhaltens steht. Egal ob von uns abgefragt oder von der übrigen Umwelt ausgelöst. Und? Was meinen Sie?

 

Es ist die Aufmerksamkeit, auch gerne als Orientierungsreaktion bezeichnet. Die Aufmerksamkeit bestimmt über den Fokus des Hundes. Z.B.: Rascheln im Gebüsch –> Aufmerksamkeit geht zum Gebüsch –> Analyse: Gefahr? Kumpel (=Spiel)?

Oder: Dumpfer Knall von rechts –> Aufmerksamkeit geht nach rechts –> Analyse: Gefahr? Papiertüte vom Bäcker (=Leckerchen)? 

 

Und jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter. Wie genau passiert dieses „Aufmerksamkeit geht hin zu…“? Da ist jetzt Beobachtungsgeschick gefragt. Das muss man auch etwas üben. Manchmal richtet sich der ganze Kopf in die Richtung, die Aufmerksamkeit braucht, manchmal ist es nur der Ohrenansatz. Machen Sie sich auf Ihrem nächsten Spaziergang mal den Spaß und beobachten Sie ihren Hund ganz genau. Was geht zuerst in Richtung des neuen Aufmerksamkeitsobjektes? Nur die Öhrchen, während er weiter am Grasbüschel schnufert? Das nennt man dann geteilte Aufmerksamkeit. Oder dreht er gleich den ganzen Kopf in die neue Richtung? Oder ist es eine Kombi aus beidem? Erst die Öhrchen, dann der Kopf? Was können Sie beobachten? Wie sieht das bei Ihrem Hund aus? Schreiben Sie es in die Kommentare. Das kann für andere Hundehalter auch ein Anhaltspunkt sein, wonach sie noch gucken könnten. 

 

Das ist ja alles schön und gut, aber was bringt Ihnen das jetzt für Ihr Training?

 

Egal, ob es ein „Sitz“, ein „Platz“, ein „Komm“ oder ein „Stopp“ ist, jedes Mal, wenn wir möchten, dass unser Hund ein Kommando (ich arbeite nahezu ausschließlich mit Signalen, aber auch dazu gibt es einen separaten Block/Beitrag, daher bleiben wir erstmal bei den Kommandos) ausführt, müssen wir uns erst seiner ungeteilten Aufmerksamkeit sicher sein. Es wäre ziemlich fies, ihm ein Kommando hinzuschmeißen, dass er gar nicht wahrnimmt, weil er grade in seiner Welt unterwegs ist. Wenn Sie ehrlich sind, dann geht Ihnen das vielleicht auch manchmal so. Stellen Sie sich vor, Sie schauen einen Hammer-Actionfilm und neben Ihnen sitzt jemand, der plötzlich etwas zu Ihnen sagt. Sie werden es nicht wahrnehmen. Vielleicht erst nach dem zweiten oder dritten Mal.

 

Aber wie bekommt man denn jetzt die Aufmerksamkeit seines Hundes? Ich verrate es Ihnen.

 

Wir fangen für die erste Zeit die freiwillige Aufmerksamkeit des Hundes ein. Dazu brauchen Sie 1. ein Markerwort (ein Klicker ist zu ungenau, da er zweimal klickt – beim runterdrücken und loslassen) und 2. diverse Leckerchen. 

 

Zu 1.: Das Markerwort muss ein kurzes, einsilbiges, umlautfreies, exklusives (also nur für diesen Zweck benutztes) Wort sein. Wie z.B. „Yes“, „Top“, „Yep“, „Tack“, „Yo“, „Klick“, usw. „Laden“ Sie es vor der ersten Benutzung auf, indem sie ihren Hund 10x das Wort sagen und immer gleich ein Leckerchen ins Mäulchen stopfen. Bei der eigentlichen Benutzung dann, schmeißen wir die Leckerchen immer von uns weg, damit der Hund die Belohnung nicht weiter mit unserer Hand verknüpft.

 

Zu 2.: Achten Sie bitte darauf, dass es Leckerchen mit unterschiedlicher Wertigkeit für den Hund sind. Also Leckerchen die für Ihren Hund gerade so in Ordnung sind (sein normales Trockenfutter z.B.) und Leckerchen für die Ihr Hund töten würde (Geflügelfleischwurst z.B.).

 

Wählen Sie nun für die ersten Übungstage eine Spaziergehstrecke aus, auf der erfahrungsgemäß kaum bis gar nix los ist. Ihr Hund also von Haus aus, kaum abgelenkt wird. 

 

Sie gehen jetzt also mit Ihrem Hund spazieren, da richtet er die Aufmerksamkeit plötzlich auf Sie. Vielleicht nur ein Öhrchen, vielleicht den ganzen Kopf (jetzt wissen Sie, warum Sie das Erkennen des Aufmerksamkeitswechsels mal ein paar Tage üben sollten). In diesem Moment sagen Sie Ihr Markerwort und es fliegt sofort ein Leckerchen in Richtung zu Ihrem Hund. Da Hunde nicht doof sind, werden sie da ganz schnell ein Spiel draus machen. Daher halten Sie diese Übungseinheiten ganz kurz. 5-8 mal hintereinander jede Aufmerksamkeit markern und belohnen. Das kann mitunter schon nach 20 Sekunden erledigt sein. Seien Sie froh, dass Sie einen so schlauen Hund haben. Damit Ihr Hund weiß, dass es für Aufmerksamkeit jetzt erst mal keine Leckerchen mehr gibt, führen Sie ein Signal für das Ende der Übungseinheit ein (das ist auch für andere Übungen sinnvoll). Ich benutze z.B. ein Hand- und Wortsignal. Ich zeige meine Handinnenseite und sage „Fertig“. Dann wende ich mich sofort von meinem Hund ab und gehe weiter. Ihr Hund wird sehr schnell raushaben, dass das bedeutet: Jetzt gibt’s keine Interaktion mehr, ich kann jetzt wieder machen, was ich will. 

 

Das Ganze machen Sie ungefähr 3-4-mal, verteilt auf den gesamten Spaziergang. Gehen Sie mehr als einmal am Tag spazieren, dann machen Sie’s halt nur 1-oder 2-mal je Spaziergang. Und achten Sie darauf, dass es nicht immer an derselben Stelle beginnt, sonst handeln wir uns eine ungewollte Verhaltenskette ein, was bedeutet, der Hund verknüpft den Startpunkt mit der freiwilligen Aufmerksamkeit, wir wollen ja aber, dass es später mal überall klappt. Man kann Verhaltensketten zwar wieder aufbrechen, aber besser wäre es, sie würden gar nicht erst entstehen.

 

Das wären Ihre Hausaufgaben für die nächsten 1 ½ Wochen. ½ Woche beobachten, 1 Woche die freiwillige Aufmerksamkeit einfangen.

 

Mit dieser Basisübung wird sich Ihr Spaziergang bereits verändern. Sie werden für Ihren Hund präsenter. Die Bindung wird stärker. Das Vertrauenskonto wird gefüllt. 

 

Und damit Sie wissen, wohin das alles führt, hier eine kleine Vorschau, auf das, was noch kommt:

 

·      Die freiwillige Aufmerksamkeit wird unter Signal gestellt.

· Dadurch wird der doppelte Rückruf (ein bombensicherer Rückruf) möglich. Den schauen wir uns auch noch an.

·   Wir bauen Umweltbelohnungen auf, so brauchen wir nicht immer nur Leckerchen geben. Das mag der Hund auch gar nicht immer.

·      uvm.

Es wird spannend. Bleiben Sie dabei. 

Und bei Fragen bitte immer sofort melden J

Kommentare: 2
  • #2

    Gitti Schmidt (Samstag, 05 Januar 2019 15:35)

    Probier ich gleich morgen aus. DANKE

  • #1

    Kasper Sabine (Samstag, 05 Januar 2019 14:28)

    Hallo Bianca , super geschrieben �liest sich super weiter so werde immer schön mitlesen Danke wünsche dir ein glückliches gesundes Jahr 2919 liebe � Grüße Sabine aus tauperlitz