· 

Wie lernen Hunde? - Thema: Positive und Negative Verstärkung

Wisst Ihr, wie Hunde unter anderem Lernen?

 

Wenn das Verhalten, dass sie zeigen, u.a. positiv oder negativ verstärkt (belohnt) wird. Positiv verstärken heißt: "Etwas Angenehmes kommt hinzu" und Negativ verstärken heißt: "Etwas Unangenehmes wird weggenommen". Hier mal ein paar Beispiele.

 

Zuerst für die negative Verstärkung (die wird oft missverstanden):

Bello mag andere Hunde nicht so besonders. Vor allem dann nicht, wenn er selber an der Leine ist, weil er dann nicht flüchten kann, wenn der andere Hund zu nah kommt. Wenn Bello jetzt z.B. den entgegenkommenden Hund anbellt und der wiederum auf dem Absatz kehrt macht und verschwindet, dann hat sich das Verhalten 'Bellen' gelohnt. Bello hat bekommen, was er wollte, nämlich: Distanzvergrößerung. Sein Verhalten wurde negativ verstärkt - etwas Unangenehmes (der andere Hund) wurde weggenommen/bzw. hat sich selbst entfernt - und deshalb wird Bello es beim nächsten Mal wieder zeigen. Jetzt nehmen wir mal an, der entgegenkommende Hund ist selber auch an der Leine und kann nicht einfach mal abhauen, sondern wird von seinem Menschen, direkt weiter auf Bello zu geführt. Die Strategie 'Bellen' hat Bello schon mal geholfen, also wird er, nachdem es nicht gleich hilft, einfach energischer und eskaliert an der Leine. Was passiert? Frauchen oder Herrchen von Bello zerren ihn aus dem Weg, aus Angst, er würde dem entgegenkommenden Hund an die Kehle gehen. Und: Ta-Daaaaa. Wieder bekommt Bello seine Distanzvergrößerung. Also merkt sich Bello: An der Leine eskalieren = Distanzvergrößerung. Passt. Das Verhalten wurde wieder negativ verstärkt.

 

Dann ein Beispiel für positive Verstärkung:

Wauzi liebt Tunfischsalat. Den gibt es jeden Donnerstag. Aber leider nicht für ihn, sondern nur für die Zweibeiner. Nun ist Wauzi nicht dumm. Er wartet einfach bis alle aus dem Zimmer sind und bedient sich dann aus der Schüssel mit dem Tunfischsalat, die schon am Esszimmertisch steht. Yummie, sehr lecker. Was hat Wauzi gelernt? Menschen nicht anwesend = Freies Futter. Das Verhalten wurde positiv verstärkt.

 

So, hm, wie hilft uns das jetzt weiter? Ganz einfach: Jedes Verhalten, dass ein Hund zeigt, hat eine Funktion. Wirklich jedes! Und nur das Verhalten, welches zum Erfolg führt, schafft es ins Verhaltens-Repertoire eines Hundes. Sprich, das Verhalten, dass letztendlich zum Ziel führt, wird beibehalten. Und genau das kann ich mir zu Nutze machen, wenn ich mit meinem Hund bestimmte Situationen üben möchte, bzw. unerwünschtes Verhalten ändern möchte. Ich überlege mir einfach, was er mit seinem Verhalten erreichen will. Es ist eigentlich immer ein Verhalten aus einem der drei Funktionskreise: Gefahrenabwehr, Fortpflanzung oder Nahrungserwerb. Will er z.B. eine vermeintliche Gefahr abwenden in dem er flüchten möchte, dann flüchte ich mit ihm. Ich blockiere ihn keinesfalls mit der Leine oder meinem Körper oder sonst etwas! Das schafft darüber hinaus auch noch Vertrauen ("Mein Mensch versteht mich und hilft mir").

 

Wieder zuerst ein Beispiel zur negativen Verstärkung:

Meine Ilvy z.B. kann's mit anderen Hunden einfach nicht so gut. Sie war daher auch viele Jahre ein richtiger Rüpel an der Leine. Wir hätten uns aber lieber ein ruhiges Verhalten gewünscht. Was haben wir also gemacht? Wir haben angefangen, die Gesetze der negativen Verstärkung zu befolgen. Mit anderen Worten, Ilvy bekam, was sie in dem Moment brauchte: Distanzvergrößerung. Und zwar, Achtung, das ist jetzt ganz, ganz wichtig: Bevor das alte Verhalten auftrat! Also bevor sie anfing auf den anderen Hund aggressiv zu reagieren. Am Anfang hieß das, schon 250 Meter vorher, ab in die Wiese/ins Feld/auf den Hügel und einen riesigen Bogen laufen. Genau in dem Abstand, wo sie den anderen Hund zwar noch wahrgenommen hat, aber noch nicht rüpelig auf ihn reagiert hat. War das Bogenlaufen nicht möglich, weil die Umgebung es nicht hergab oder stand das andere Hund-Mensch-Gespann plötzlich vor unserer Nase, kam der U-Turn ins Spiel (ein positiv aufgebautes Signal zum abrupten Richtungswechsel). So konnten wir Ilvy zeigen, dass auch ruhiges Verhalten zu Distanzvergrößerung führen kann. Das neue Verhalten wurde negativ verstärkt. Im Laufe der Monate (Verhalten, dass sich jahrelang bewährt hat, löst man nicht innerhalb von einer Woche durch ein Besseres ab) konnten wir den Abstand immer mehr verringern (das dann u.a. auch mit positiver Verstärkung), ohne das sie in ihr altes Verhalten verfiel. Heute reicht ihr ein Abstand von ca. 3-5 Metern, je nach Tagesform, um gepflegt an dem anderen Hund vorbei zu kommen.

 

Jetzt das Beispiel zur positiven Verstärkung:

Buster jagt gerne hinter Hasen her. Die Funktion dieses Verhaltens ist wahrscheinlich Nahrungserwerb. Das ist ein uraltes genetisches Programm (Beutefangsequenz), gegen das man nicht ankommt. Aber: Wir können es umlenken. Wenn der Hase also aus dem Gebüsch hüpft und Buster ihn wahrnimmt, kommt sofort ein Markersignal (Versprechen auf eine Belohnung). Buster weiß was das Markersignal bedeutet, er hat es mit Frauchen und/oder Herrchen vorher in einer reizarmen Umgebung oft geübt. Er dreht sich um, und in diesem Moment fliegt ein Super-Leckerchen oder ein Ball, ein Dummy oder was Buster sonst noch als supertolle Belohnung empfindet, in die dem Hasen abgewandte Richtung. Jetzt kann Buster nicht nur hinter etwas her hetzen, nein, er kann es auch noch packen und im Fall von Futter fressen. WOW. Das ist doch viel besser als einen Hasen jagen. Irgendwann hat Buster dann gelernt: Hase = Belohnung von Mami oder Papi. Das neue Verhalten wurde positiv verstärkt.

 

Die Lerntheorie wird in 4 Quadranten eingeteilt. Zwei davon haben wir jetzt kennengelernt. Die positive und negative Verstärkung. Die anderen beiden Quadranten: Positive Strafe (etwas Unangenehmes wird hinzugefügt) und die negative Strafe (etwas Angenehmes wird weggenommen) werde ich in einem anderen Blog beschreiben. Auch wenn diese beiden Quadranten bei mir nur sehr eingeschränkt und in höchst abgeschwächter Form vorkommen (z.B. beim Aufbau des Geschirrgriffs wird mit der Hand am Geschirr ein leichter Zug aufgebaut. Das ist für den Hund unangenehm und gehört damit in den Quadranten der positiven Strafe!), ist es wichtig darüber Bescheid zu wissen. Dazu aber in einem der nächsten Artikel mehr.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0